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«Was macht einen König zum König?»

  • vor 11 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Mit «Nenn’ mich einfach Mo» ist Maya Heusser und Bühnenreif derzeit auf Tournee. Das Musical verbindet die alltäglichen Sorgen einer Familie mit einer märchenhaften Geschichte über Macht und Verantwortung. Gleichzeitig geht Heusser mit einem neuen Chorkonzept einen Weg, der Aufführungen auch dort ermöglichen soll, wo sich keine klassischen Veranstalter finden.


Midlife-Krise, Arbeitslosigkeit, Zukunftsängste und mittendrin die Frage, wer eigentlich geeignet ist, ein Land zu regieren. Maya Heusser bringt in ihrem aktuellen Musical «Nenn’ mich einfach Mo» Themen zusammen, die auf den ersten Blick weit auseinanderliegen. Genau daraus entsteht die Geschichte, die Bühnenreif derzeit an verschiedenen Orten auf die Bühne bringt. Im Zentrum stehen Priska, Tobias und ihre Tochter Emilia. Die Eltern sind seit mehr als 20 Jahren zusammen, doch ihre Beziehung ist in die Jahre gekommen. Tobias verliert seinen Job, während Emilia vor der Matura steht und sich fragen muss, wie ihre Zukunft aussehen könnte. Angesichts von Klimakrise und weltpolitischen Spannungen fällt es ihr schwer, überhaupt noch Zukunftsträume zu entwickeln. «Es sind ganz alltägliche Geschichten», sagt Maya Heusser. «Da sind die Beziehung in der Midlife-Krise, die Frage, ob das jetzt alles war im Leben, die Arbeitslosigkeit und die Zukunftsängste.»


Wer soll König werden?

Parallel dazu öffnet das Musical eine zweite, märchenhafte Ebene. Das Land, in dem die Handlung spielt, ähnelt unserer Welt, wird aber von einem König regiert. Dieser ist gestorben und ein Nachfolger muss gefunden werden. Karlo und Mo sind die letzten beiden Anwärter. Eine uralte Maschine soll entscheiden, wer von ihnen für die Aufgabe geeignet ist. Das Problem: Niemand kennt die Kriterien, nach denen sie Punkte verteilt. Damit wird aus dem Alltagsmärchen unversehens auch ein Stück über Politik und Führung. «Es geht um die Frage: Wer ist eigentlich geeignet, ein Land zu regieren?», erklärt Heusser. Und darum, welche Eigenschaften jemanden tatsächlich zu einer guten Führungspersönlichkeit machen. Dabei klingen auch biblische Bilder an. Allerdings nicht im Sinn einer klassischen Bibelgeschichte. Heusser interessiert vielmehr der Gegensatz zwischen verschiedenen Vorstellungen von Macht. «In der Bibel ist der König häufig wie ein Gärtner, der pflegt, oder wie ein Hirte, der zu den Schafen schaut und sie beschützt. Wenn man heute hinausschaut, erlebt man Regierende teilweise eher wie Raubtiere, bei denen es vor allem um sie selber geht.»


«Nenn’ mich einfach Mo» soll deshalb keineswegs nur ein kirchliches Publikum ansprechen. Die offizielle Beschreibung bezeichnet das Stück als «musikalisches Alltagsmärchen mit einer Prise Weltpolitik». Bühnenreif versteht es als offene Geschichte, die sowohl spirituelle Inspiration als auch kritische Fragen der Gegenwart aufnehmen kann.


Die Schierserin formuliert den Anspruch ähnlich: «Das Thema Glaube, wie es in der Gesellschaft drin ist, ist mir wichtig. Gleichzeitig soll es eine kulturell hochstehende Veranstaltung sein, die inspiriert und Hoffnung mitgibt.» Gerade mit dem neuen Stück hofft sie, verstärkt auch ausserhalb des kirchlichen Umfelds Publikum und Veranstalter zu erreichen.


Ein Musical braucht Veranstalter

Die künstlerische Arbeit ist dabei nur eine Seite des Projekts. Die andere ist die Finanzierung. Für 2026 geeignete Veranstalter zu finden, sei schwieriger gewesen als erwartet, erzählt Heusser. Kirchen und Gemeinden, die Bühnenreif bisher häufig eingeladen hätten, stünden teilweise selbst unter finanziellem Druck oder hätten zu wenig Personal. Andere hätten bereits eigene Projekte geplant.


«Ich habe sehr viele angefragt und Absagen aus verschiedensten Gründen bekommen. Es sind alles nachvollziehbare Gründe. Aber es ist nicht einfach.»


Das Problem ist auch strukturell: Bühnenreif arbeitet professionell und entsprechend hoch sind etwa Personal- und Technikkosten. Gleichzeitig lassen sich für eine Tourneeproduktion dieser Grösse kaum Eintrittspreise verlangen, wie sie grosse etablierte Musicalbühnen kennen. Die Ticketpreise sollen in einem Rahmen bleiben, der mit anderen regionalen Kultur- und Theaterangeboten vergleichbar ist.


«Dadurch, dass es professionell ist, habe ich hohe Technik- und Gagenkosten. Gleichzeitig sind wir nicht eine grosse Musicalbühne, die über 100 Franken für ein Ticket verlangen kann. Und darum bleibt eine Lücke.»


Die Produktion von «Nenn’ mich einfach Mo» kostete laut Heusser rund 50'000 Franken. Bei grösseren Chorprojekten mit mehreren Proben und zwei Aufführungen kann ein Projektbudget gegen 30'000 Franken betragen. Finanziert wird es aus verschiedenen Quellen: Veranstalterbeiträgen, Ticketverkäufen, Teilnehmerbeiträgen, Fördergeldern und Sponsoring.


Mit dem Chor direkt ins Musical

Aus der schwierigen Veranstaltersuche entstand zugleich eine neue Idee. Heusser entwickelte ein sogenanntes Mini-Chorprojekt. Dabei steht die komplette Produktion bereits: Darstellerinnen und Darsteller, Ensemble, Liveband und Technik. Sängerinnen und Sänger aus der jeweiligen Region können sich vorbereiten und mit vergleichsweise geringem Probenaufwand Teil der Aufführung werden.


«Man kann mit ganz wenig Proben mitten in diesem grossen Musicalprojekt dabei sein», sagt Heusser. Wer bereits Chorerfahrung hat, bereitet Noten und Töne zu Hause vor. Danach folgen ein Probewochenende und die Hauptprobe und schon steht die Aufführung an.


Das Modell hat noch einen zweiten Vorteil: Durch die Beteiligung von Sängerinnen und Sängern aus der Umgebung wird das Projekt vor Ort verankert. Angehörige, Bekannte und weitere Interessierte werden auf die Aufführung aufmerksam. Damit sinkt auch das finanzielle Risiko für Bühnenreif, wenn das Unternehmen selbst als Veranstalter auftritt.


Für Heusser ist klar, dass «Nenn’ mich einfach Mo» noch eine Weile unterwegs sein muss. Die Produktion soll auch 2027 und 2028 gespielt werden. Für 2027 seien bereits mehrere Aufführungen und grössere Chorprojekte vorgesehen, darunter erneut Projekte in der Region Graubünden.


Und das nächste Musical? Eine Idee dafür existiert bereits. Beim Schreiben von «Nenn’ mich einfach Mo» merkte Heusser, dass sie eigentlich zwei Geschichten gleichzeitig verfolgte. Eine davon nahm sie wieder heraus. Aus diesem Ansatz soll später das nächste Stück entstehen. Vorerst aber gehört die Bühne Mo, Karlo und der Frage, die weit über das Musical hinausreicht: Welche Menschen wollen wir eigentlich an der Spitze unserer Gesellschaft sehen?



 
 
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