Buchtipp: «Engadiner Teufel» von Philipp Gurt
- 15. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Um den Erfolg von «unserem» Philipp Gurt ein wenig besser zu verstehen, habe ich kürzlich damit begonnen, mich vertieft mit seinen Büchern auseinanderzusetzen. Schliesslich hat er sich seit «Bündnerfleisch», das ich zuletzt von ihm gelesen habe, sicher stark weiterentwickelt. Da ich in diesem Jahr als Moderator für die Silser Buchtage gebucht war, fand ich zum Wiedereinstieg in das Gurt-Universum «Engadiner Teufel» ganz passend. So viel vorab: Es hat sich gelohnt, weiterzulesen.
Das Oberengadin im Herbst ist eine Wucht: Golden leuchten die Lärchen und tiefblau glitzern die Seen. Und doch wird es schaurig düster, als die Nacht hereinbricht und Corina Costa, Alpinpolizistin und Bergbäuerin, auf ihrem kleinen Hof oberhalb von Pontresina alarmiert wird. Es geht um Maxima, eine Berliner TikTok-Ikone, die mit ihrer Schwester wild am Piz Lagrev campierte und vor laufender Kamera entführt worden ist. Das offensichtliche Verbrechen, das die halbe Welt live mitverfolgt hat, sorgt dafür, dass Corina und ihre Kollegen in der Dunkelheit den Bergwald absuchen und nur auf ein verlassenes Zelt stossen. Wenige Meter daneben liegen die grausam zugerichteten Leichen zweier unbekannter Frauen. Während zunächst nicht klar ist, wer die Opfer überhaupt sind, und alles auf einen Angriff eines Braunbären hindeutet, kommen dank der Recherchearbeit von Costa immer mehr Details ans Licht. Schnell wird klar, dass der «Engadiner Teufel» nur ein Mensch sein kann. Doch wer ist es? Vielleicht der Eremit, der hinten im Tal weit abgeschirmt von jeglicher Zivilisation lebt? Oder der Starautor, der seinen Buchverkäufen durch echte Morde zusätzlichen Schub verleihen will? Wo um Himmels willen sind die TikTokerin und ihre Schwester?
Fazit: Kurzweilig und süchtig machend
Die Idee, die Handlung rund um ein Literaturfestival im Oberengadin anzusiedeln, ist verdammt gut gewählt. Einerseits lädt die Kulisse geradezu dazu ein, dort Krimis zu lesen, andererseits gibt es mit den Silser Buchtagen sogar bereits ein entsprechendes Vorbild. Beim Lesen musste ich hin und wieder an Gurt selbst denken, da er über die Figur des Starschriftstellers unterschwellig wohl auch ein paar Dinge aus seinem Innenleben preisgegeben hat. Die Nebenhandlung rund um die Influencerin ist schlüssig und unterhaltsam. Sie zeigt, dass Krimis nicht nur angestaubte Klischees bedienen müssen, sondern durchaus auch in die Lebensrealitäten der jungen Generation eindringen können. Die Kommissarin Corina Costa fand ich irgendwie witzig, wobei ich nicht ganz verstanden habe, weshalb sie sich ein Murmeltier als Haustier hält. Was mir am besten gefallen hat, ist der Kontrast zwischen den düsteren Sequenzen und der malerischen Landschaft, in der das Buch spielt.
Als Einstieg oder Wiederentdeckung des umfassenden Werks von Philipp Gurt ist «Engadiner Teufel» eine stimmige Wahl. Er wird in seinen Texten nie ausschweifend, sucht nicht nach obergescheiten Formulierungen und schafft es, das Oberengadin so zu beschreiben, dass es einen reizt, mal wieder dorthin zu fahren.



