«Ich bin eher ein Reporter als ein Poet»
- vor 14 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

Köbi Gantenbein schreibt über Landschaften, weil sie für ihn weit mehr sind als Kulisse. Sie sind politisch, gesellschaftlich und persönlich. An der fünften Ausgabe des Literaturfestivals «Die Rahmenhandlung» liest der Fläscher am Samstag im Parcours 2 im From Heaven in Bad Ragaz. Im Interview spricht Gantenbein über sein Schreiben, sein neues Buch «Landschaft singen» und darüber, weshalb er alle seine Sätze selber schreiben will.
Vom 18. bis 20. September wird in Bad Ragaz, Mels und Pfäfers wieder gelesen, erzählt und diskutiert. Das Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Mit dabei ist der Fläscher Autor, Journalist und Musikant Köbi Gantenbein. Dass er in Bad Ragaz liest, passt zu einem Mann, dessen Schreiben eng mit Orten verbunden ist. Landschaft ist für ihn nicht Kulisse, sondern Stoff und Hauptfigur zugleich.
«Landschaft ist mein Angel und mein Thema», sagt Gantenbein. Sie spiele die Hauptrolle, «von den Stadt-, über die Dorf-, die Fremdenverkehrs-, die Strom-, die Wildnis- bis zu den Glückslandschaften». Dabei bleibt sie konkret: «Meine Landschaft ist immer unverwechselbar verortet.»
Schreiben, um die Welt zu verstehen und zu verändern
Gantenbein schreibt seit Jahrzehnten über Architektur, Landschaft, Politik und Gesellschaft. Was das Schreiben für ihn ausmacht, beschreibt er so: «Ich finde mich so in der Welt zurecht und ich will sie verändern – schreibend. Auch will ich die Menschen und mich vergnügen – schreibend.»
Ein neues Buch beginnt für ihn «im Anliegen, im Zufall und in der Lust». Bevor er mit dem Schreiben beginnt, recherchiert er lange und entwickelt eine klare Vorstellung. Veränderungen entstehen vor allem beim Erzählen: «Es verändert sich eher der Dreh des Erzählens, weniger der Inhalt.»
Seine Haltung zum Schreiben bringt der langjährige Hochparterre-Redaktionsleiter auf einen einfachen Nenner: «Ich bin eher ein Reporter als ein Poet.» In seinen Texten steckten vor allem seine Art und seine Neugierde, die Welt zu sehen und zu beschreiben.
50 Jahre Schreiberleben in 19 Kapiteln
Diese Verbindung von Beobachtung, Recherche und Erzählen prägt auch sein neues Buch. «Landschaft singen» erscheint am 17. Oktober und blickt auf 50 Jahre Schreiberleben zurück. In 19 Kapiteln beschäftigt sich Gantenbein mit Landschaften von der Wildnis bis zum Glück und mit den politischen Anliegen, die er damit verbindet.
Das Projekt geht über das gedruckte Buch hinaus. «Landschaft singen» verbindet Buch, Musik, Film und Website. Dazu gehören eine neue CD seines Orchesters mit Musik «vom Balkan ins Prättigau» und ein Film. Besonders wichtig ist Gantenbein die Verbindung von Landschaft und Musik, die ihn seit seiner Kindheit begleitet: «Ich bin Schreiber, Erzähler und Musikant.»
Alle Sätze bleiben seine eigenen
Auch künstliche Intelligenz gehört inzwischen zu Gantenbeins Werkzeugen – allerdings mit einer klaren Grenze: «Ich brauche KI bisher als Recherchewerkzeug. Alle Sätze aber will ich selber schreiben.»
Im Fragebogen zum Literaturfestival «Die Rahmenhandlung», den ich allen Auftretenden zukommen liess, führt der Weg schliesslich zurück nach Bad Ragaz. Auf die Frage, welche Persönlichkeit er dort gerne zu einem langen Gespräch treffen würde, nennt Gantenbein Bernhard Simon (1816–1900), den er als «Erfinder von Bad Ragaz» bezeichnet.
Mit ihm würde er über das Erfinden eines Kurorts und das Bauen von Hotels sprechen, über Musik und Kunst, über Russland und Simons Rolle als Vater. Ein Gespräch über einen Menschen und einen Ort also und darüber, wie beides miteinander verbunden ist. Ganz im Sinne Gantenbeins, für den Landschaft nie bloss das ist, was man vor sich sieht.



