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«Heimat ist nicht immer schön»

  • vor 13 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Margrit Cantieni erzählt von Bündner Lebensgeschichten, gesellschaftlicher Ausgrenzung und einer Vergangenheit, die nicht vergessen werden soll. In ihrem aktuellen Roman steht mit Franka eine reale Frau im Zentrum, deren Geschichte die Autorin beim Schreiben an ihre emotionalen Grenzen brachte. Am Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» liest Cantieni am Samstag im Parcours 2 im From Heaven in Bad Ragaz.


Vom 18. bis 20. September wird in Bad Ragaz, Mels und Pfäfers gelesen, erzählt und diskutiert. Das Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Mit dabei ist die Bündner Volksautorin Margrit Cantieni, deren Romane eng mit Graubünden und seiner Geschichte verbunden sind.

Das Schreiben ermöglicht ihr, eine eigene Welt zu erschaffen, die häufig auf historischen Tatsachen beruht und dennoch Raum für Fantasie lässt. Gleichzeitig geht es Cantieni darum, frühere gesellschaftliche Verhältnisse und schwierige Lebensgeschichten vor dem Vergessen zu bewahren.

Im Zentrum stehen dabei meist Menschen und ihre Schicksale. Ein neues Buch beginnt für sie deshalb häufig mit einer Verbindung: «Meistens ist es eine Verknüpfung zwischen Thema und Figur. Es kann aber lange dauern, bis beides zueinander passt.»

Eine Geschichte, die an die Grenzen geht

Besonders gefordert hat Cantieni ihr jüngstes Buch. Es erzählt die wahre Geschichte einer jungen Bündnerin, die massive Bevormundung erlebt hat. Die Arbeit daran sei emotional so belastend gewesen, dass sie zeitweise daran dachte, das Projekt aufzugeben.

Im Mittelpunkt steht Franka, eine reale Person, deren «Mut und ihre kämpferische und unkonventionelle Haltung» Cantieni bewundert. Die Autorin recherchierte ihre Geschichte mit dem Anspruch, Franka möglichst so zu zeichnen, wie sie sich ihr aus den Quellen erschliesst.

Die Botschaft des Buches bringt Cantieni auf drei kurze Sätze: «Heimat ist nicht immer schön. Das Leben war früher nicht besser und nicht schlechter. Gesellschaftliche Ausgrenzung gab es früher genauso wie heute.» Entsprechend klar ist auch ihr Wunsch an die Leserinnen und Leser: «Ich wünsche mir, dass Frankas Geschichte berührt hat und nicht vergessen geht.»

Graubünden als Schauplatz

Orte und Landschaften sind in Cantienis Romanen eng mit den Menschen verbunden. Sie konzentriert sich auf Lebensgeschichten und Schicksale von Bündnerinnen und Bündnern. Deshalb lassen sich ihre Geschichten nicht beliebig an einen anderen Ort versetzen: Zeit, Ereignisse und Schauplätze sind eng mit Graubünden verwoben. Auch gegenüber künstlicher Intelligenz zieht Cantieni beim Schreiben eine klare Grenze. Für erste Recherchen, Informationen oder ein erstes Korrektorat könne KI hilfreich sein. Den eigentlichen kreativen Prozess möchte sie ihr jedoch nicht überlassen. «Wenn ich diesen Prozess an KI übergeben würde, wären es nicht mehr meine eigenen Gedanken und Geschichten. Weshalb sollte ich dann noch schreiben?»

Sollte KI für den eigentlichen Schreibprozess eingesetzt werden, plädiert Cantieni für Transparenz gegenüber der Leserschaft. Sie hält es durchaus für möglich, dass künftig ganze Unterhaltungsbücher mithilfe von KI entstehen und beim Publikum Anklang finden.

Und wen würde sie beim Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» laut Fragebogen gerne zu einem langen Gespräch treffen? Ganz klar: Winston Churchill. Mit ihm würde sie über die Entwicklung der Welt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sprechen. Wobei das Gespräch vielleicht erst einmal ins Stocken geraten würde, wie Cantieni selbst einräumt: Sie wäre wohl so nervös, «dass es mir die Sprache verschlagen würde».

 
 
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