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«Der Raum in einem Roman ist immer ein zweiter Held»

vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Für Angelika Overath gehören Schreiben und Leben untrennbar zusammen. In ihrem aktuellen Roman «Calanda oder Alvas Antwort» erzählt die Bestsellerautorin von Krankheit, Lebensmut und der Kraft der Natur. An der fünften Ausgabe des Literaturfestivals «Die Rahmenhandlung» wird sie am Sonntag im Parcours 2 im From Heaven in Bad Ragaz von Reto Möhr interviewt.

Vom 18. bis 20. September wird in Bad Ragaz, Mels und Pfäfers gelesen, erzählt und diskutiert. Das Literaturfestival «Die Rahmenhandlung» feiert sein fünfjähriges Jubiläum. Mit dabei ist die Bestsellerautorin Angelika Overath. Auf die Frage, was das Schreiben für sie so besonders macht, findet sie eine ebenso kurze wie persönliche Antwort: «Ich schreibe, wie ich atme. Schreiben gehört zu mir dazu.»

Wo ein neues Buch beginnt, ist dagegen weniger eindeutig. Am Anfang stehe eine Idee, doch sehr schnell brauche es eine Figur. Manchmal sei diese auch zuerst da. Denn: «In einer Figur steckt ja immer auch eine Idee.»

Wie viel von ihr selbst in diesen Figuren steckt? Overath antwortet mit einem Satz, der das Verhältnis von Erlebtem und Erfundenem auf den Kopf stellt: «Nichts ist so autobiografisch wie die Phantasie. Also ist in jedem meiner Bücher viel von mir.»

Alvas Weg auf den Calanda

Im Zentrum ihres aktuellen Romans «Calanda oder Alvas Antwort» steht Alva. Sie hat die Diagnose ALS erhalten, eine unheilbare Erkrankung des Nervensystems. Noch einmal will sie den Calanda besteigen, den sie seit ihrer Kindheit und Jugend kennt. Ob sie wieder zurückkommen will und wird, weiss sie zunächst nicht.

Ursprünglich hatte Overath für ihre Hauptfigur ein anderes Ende vorgesehen. «Am Anfang wollte ich, dass Alva stirbt.» Offenbleiben sollte, ob es sich um einen Unfall oder Suizid handelt. Doch während des Schreibens nahm die Geschichte eine andere Richtung.

Besonders nahe ist der Autorin jene Passage, in der Alva unterhalb des Gipfels auf einem Schotterfeld Enzian entdeckt. «Die Schönheit der Natur gibt ihr Mut fürs Leben.» Am Ende weiss Alva, dass sie trotz ihrer Krankheit weiterleben möchte. Was Overath ihren Leserinnen und Lesern nach der letzten Seite mitgeben will, fasst sie in drei Worten zusammen: «Mut und Trost. Und damit Freiheit.»

Die Landschaft erzählt mit

Der Calanda ist dabei weit mehr als Schauplatz. Orte und Landschaften spielen in Overaths Büchern eine zentrale Rolle. «Der Raum in einem Roman ist immer ein zweiter Held», sagt sie.

In «Ein Winter in Istanbul», dem ersten Teil ihrer Istanbul-Trilogie, ist es die Stadt am Bosporus. In «Unschärfen der Liebe» die Zugstrecke zwischen Chur und Istanbul, in «Calanda oder Alvas Antwort» das Bergmassiv. «Der Raum erzählt mit. Er hat eine spezifische Stimme, die den Roman tönt.»

Auch künstliche Intelligenz nutzt Overath mittlerweile als Werkzeug, allerdings nur für einen Teil ihrer Arbeit. «Ich finde KI zum Recherchieren gut. Zum Formulieren taugt sie für mich nicht.» Dass andere Autorinnen und Autoren damit andere Erfahrungen machen, schliesst sie ausdrücklich nicht aus.

Und wen würde Angelika Overath gerne treffen, wenn sie sich für die «Rahmenhandlung» eine Persönlichkeit aussuchen dürfte? Ihre Wahl passt nach Bad Ragaz und zur Literatur: «Ach, wenn Rilke gerade im Grand Hotel weilte, würde ich einen Kamillentee mit ihm nicht ausschlagen.»

 
 
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