Zwischen Melancholie und Klangrausch

Die Liveperformance «Ich weine am liebsten in Klos» von Martina Caluori und Marcel Gschwend begeisterte am Samstagabend im Kultur.Haus Conters mit einer ungewöhnlichen Verbindung von Lyrik und Klang.
Am Samstagabend wurde das Kultur.Haus in Conters zum Schauplatz eines besonderen Kunsterlebnisses. Mit «Ich weine am liebsten in Klos» präsentierten Martina Caluori und Marcel Gschwend eine Liveperformance, die Sprache und elektronische Klänge auf eindrückliche Weise miteinander verband. Das Publikum erwartete keine gewöhnliche Lesung, sondern eine sinnliche Erfahrung zwischen Poesie, Geräuschen und Emotionen. Sabine Rudolf begrüsste die Gäste in einem bewusst neu gestalteten Ambiente. «Ich wollte mal ein ganz anderes Ambiente, einen ganz anderen Rahmen, etwas Intimeres», erklärte sie. Statt eines Romans stehe diesmal Lyrik im Mittelpunkt, begleitet und erweitert durch eine Soundperformance. Die Veranstalterin freute sich über diese neue Form der Darbietung und wünschte dem Publikum eine ebenso spannende wie genussvolle Stunde.
Vom Meer bis ins Weltall
Caluoris Texte bewegten sich zwischen persönlichen Gedanken, Gefühlen und einer teils erdrückenden Melancholie. Ihre Sprache war mitunter sperrig, die Klangwelten von Gschwend laut und fordernd. Doch gerade diese ungewöhnliche Kombination entfaltete ihre Wirkung. Die Geräusche unterstrichen die Worte, widersprachen ihnen oder eröffneten ganz neue Deutungsräume.Das Publikum zeigte sich empfänglich für die ungewohnten Klänge. Wer sich auf die Performance einliess, begab sich auf eine Gedankenreise: vom Meer mitten ins hektische Grossstadtgewimmel, weiter zu einem Untergrundrave und schliesslich bis ins Weltall. Die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verschwammen, während Sprache und Sound ein eigenes Kopfkino entstehen liessen.
Mit einem gelösten Gefühl nach Hause
Trotz der melancholischen Grundstimmung verliessen die Besucherinnen und Besucher den Veranstaltungsort mit einem gelösten Gefühl. Die Performance forderte heraus, liess Raum für eigene Bilder und eröffnete ungewohnte Perspektiven.«Ich weine am liebsten in Klos» war ein Abend, wie ihn das Prättigau in dieser Form bislang kaum erlebt hatte. Er zeigte, dass Lyrik weit mehr sein kann als das gesprochene Wort: ein Klangraum, ein Gedankenexperiment und eine Einladung, sich auf Unbekanntes einzulassen.



