«Ich gehe vom Leben aus»
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«Calanda oder Alvas Antwort» heisst der neue Roman von Angelika Overath, der am 18. März erschienen ist. Darin geht es um die Alva, die den Churer Hausberg Calanda besteigt. Sie hat eine Nachricht erhalten, die alles verändern wird. Schritt für Schritt dem Gipfel entgegen denkt sie über ihr Leben nach.
Für viele Schreibende gehört das Wandern oder Spazieren zum Prozess der Kreativität. Auch beim Schaffen von Angelika Overath gehört Bewegung dazu. «Es kann für mich Wandern sein, aber auch Kajakfahren in einer stillen Bucht oder Schwimmen. In der Bewegung löst sich etwas. Man vergisst sich, wird gedanklich leer. Und dann kommen auf einmal neue Ideen.»
Die Faszination der Reportagenromane
Das Buch «Calanda oder Alvas Antwort» ist der letzte Band ihrer Istanbul-Trilogie. Somit hat die Schriftstellerin aus Sent seit 10 Jahren an dem Stoff gearbeitet. Warum sie den Calanda und nicht den Piz Spadla vor der Haustüre als Schausplatz genommen hat, liege an der Symmetrie. «’Ein Winter in Istanbul’ spielt an neun Orten in Istanbul. ‘Unschärfen der Liebe’ spielt im Zug zwischen Chur und Istanbul. Deshalb sollte der dritte Band in Chur spielen. Der Calanda ist ja auch ein Churer Berg.» Da Overath einen journalistischen Hintergrund hat, ist ihr die authentische Beschreibung der Örtlichkeiten ein grosses Anliegen. «Meine Romane sind Reportagenromane. (Ich habe das Wort erfunden.) Das heisst, die Texte sind sehr genau recherchiert.» Sie habe in Istanbul gelebt; sei mit dem Zug von Chur nach Istanbul gefahren und auch das naheliegende habe sie nicht ausgelassen. «Natürlich war ich auch auf dem Gipfel des Calanda. Ich habe dabei photographiert und mir Notizen gemacht. Ich habe viel gelesen.»
Die Wirklichkeit erzählt am besten Die Bücher von Angelika Overath zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich am echten Leben orientieren. « Ich halte es mit Thomas Mann, der sagte, er könne nicht erfinden. Ich phantasiere nicht frei. Ich gehe vom Leben aus.» Auch wenn Phantasie eine Rolle spiele, Ankerpunkt bleibe die Realität. «Dann collagiere ich, verbinde verschiedene Dinge, überblende. Aber ich halte mich immer an der Wirklichkeit fest. Sie ist die bessere Erzählerin.» Im Beschrieb des Romans steht, dass es ein intimes, mutiges Buch sei, das frage, was ein lebenswertes Leben ausmache. Overath kann diese grosse Frage für sich vor allem im Kleinen beantworten. «Meine Familie und meine Freunde machen das Leben lebenswert. Nahe Augenblicke mit Fremden auf Reisen. Dankbarkeit, am Leben zu sein. Es ist ja ein aberwitziger Zufall, dass gerade wir leben.» Ähnliche Werte und Haltungen vertrete auch die Hauptfigur ihres neuen Romans Alva. Auch wenn diese keinen engen Begriff von Familie habe. «Sie sagt, Familie ist, sich verlassen können. Und auf ihrem Weg den Calanda hinauf, erfährt sie die Schönheit der Natur und begreift, dass sie sich verlassen kann, auf ihre Gefährten, auf ihre Freundin.» Das ist wichtig im Anbetracht der Nachricht, die sie erhält. «Dass sie getragen wird, auch wenn sie jetzt krank ist und bald mehr oder minder hilflos sein wird.» Bei Angelika Overath weiss man, dass sie sich selten Schreibpausen gönnt. Auch aktuell arbeitet sie neben der Lesereise zu «Calanda oder Alvas Antwort» bereits an neuem Stoff. «Ich bastle, langsam, langsam an einem Lehrbuch zum Kreativen Schreiben, das auch Geschichten aus dem Leben einer Schriftstellerin enthält.» Text/Foto: Christian Imhof / Hitsch Rogantini



