«Der Druck hat genügend Zeit, sich zu relativieren»
- vor 3 Tagen
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«Nebelflüchtige» ist eines der meistdiskutierten Bündner Bücher im Moment. Die Geschichte aus der Feder von Flurina Badel, die im Original «Tschiera» hiess, scheint thematisch leider immer noch den Zeitgeist zu treffen. Aus diesem Grund vergeht der Engadiner Autorin auch nicht die Freude am Stoff. Woran sie sonst noch arbeitet, wie eine Übersetzung vonstattengeht und vieles mehr, lest ihr hier.
Die Übersetzung deines Romans sorgt gerade für ziemlich viel Wirbel. Wie froh bist du, mit Ruth Gantert deine Geschichte einem noch grösseren Publikum präsentieren zu können?
Sehr froh! Dass «Nebelflüchtige» bei deutschsprachigen Leser*innen solch grossen Anklang findet, hätte ich nicht erwartet. Das freut mich – für das Buch, für Ruths und meine literarische Arbeit und auch für die Diskussion rund um das Thema bezahlbarer Wohnraum in touristischen Dörfern.
Wie gelungen findest du die Übersetzung?
Ruth Gantert ist eine grossartige Übersetzerin, und ich hoffe, noch oft mit ihr zusammenarbeiten zu können! Abgesehen von einem einzigen unglücklich übersetzten Wort (auf S. 148) würde ich im Gut zum Druck der dritten Auflage von «Nebelflüchtige» nichts ändern wollen. Ich mag den Sound, den sie für die einzelnen Figuren gefunden hat, den Rhythmus der deutschsprachigen Fassung und die Art, wie sie Wortspiele übertragen hat. Auch der gezielte Einsatz von Helvetismen und Wiener Ausdrücken gefällt mir sehr.
Wie ist die Übersetzung vonstattengegangen? Wurde dir Seite für Seite geschickt oder hast du das ganze Paket erhalten?
Zu Beginn hat Ruth etwa 20 Seiten übersetzt, die wir dann sehr ausführlich besprochen haben. Anhand dieser Probe konnten wir zentrale Fragen klären, zum Beispiel, wie viel Romanisch in der Übersetzung enthalten sein soll. Danach hat sie den gesamten Roman in Ruhe übersetzt und mir diese Fassung zum Gegenlesen gegeben. Im Auftrag der CH-Reihe, die die Übersetzung finanziell unterstützt hat, hat auch Claudio Spescha den Text nochmals geprüft, bevor er in den Druck ging. Und der Rotpunktverlag hat den Text selbstverständlich auch lektoriert.
Es wird aktuell viel darüber gesprochen, für dich ist es aber wohl schon eine «alte» Geschichte. Wie erhältst du dir die Freude am Stoff? Inhaltlich ist es leider noch keine «alte Geschichte». Deshalb ist dieser Roman nach wie vor sehr wichtig für mich. Und der intensive Austausch mit den Übersetzer*innen macht einfach Spass. Momentan übersetzt Walter Rosselli den Roman ins Italienische (erscheint im Frühling 2027 bei temposospeso – editoria di resistenza), und Lucie Tardin arbeitet an der französischen Übersetzung (erscheint im Herbst 2027 bei Éditions La Veilleuse).
Woran arbeitest du sonst gerade? Zurzeit bin ich für die letzten Tage in Poschiavo in der Residency des Festivals «Lettere dalla Svizzera alla Valposchiavo» und arbeite am Manuskript für den polyphonen Essay «Disgust», der im nächsten Frühjahr bei der Chasa Editura Rumantscha erscheinen wird. Das gibt eine psychedelische Lektüre …
Wie gross ist der Druck nach dem Grosserfolg von «Tschiera/Nebelflüchtige»?
Da ich grundsätzlich eher langsam schreibe, an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite und auch sonst viel in meiner Agenda steht, hat der Druck genügend Zeit, sich zu relativieren.
Mehr zum Buch «Nebelflüchtige» finden Sie hier. Text/Foto: Christian Imhof/Mathias Nutt
Bildlegende: Ruth Gantert und Flurina Badel



