Bibi Vaplan fliegt mit Debütnovelle zum Mond
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Mit ihrer neuen Novelle und einem gleichnamigen Bühnenprogramm entführt die Bündner Musikerin Bibi Vaplan ihr Publikum in eine magisch-absurde Mondwelt. Wenn Bibi Vaplan ein neues Projekt anpackt, dann sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Nach ihrer viel beachteten Popcorn-Opera, mit der sie das Publikum durch ein eigens erschaffenes Popcorn-Universum reisen liess, startet die Bündner Musikerin nun ein neues, interdisziplinäres Abenteuer.
Am 9. März erschien ihre Debütnovelle «Nektarmond 37» im Zytglogge Verlag – begleitet von einer gleichnamigen Bühnenshow, die am 14. März in der Postremise in Chur uraufgeführt wird. Das Projekt verbindet Literatur, Musik und visuelle Kunst zu einem poetischen Gesamterlebnis. «Mir gefällt es, das Publikum auf eine Reise mitzunehmen, tiefer in eine neue Welt einzutauchen und sich mit allen Sinnen berühren zu lassen», sagt Vaplan.
Eine Telefonzelle auf dem Mond
Im Zentrum der Novelle steht die Figur Maria Rosa. Nach einer emotionalen Enttäuschung verliert sie ihre Erdung und landet auf dem Mond, wo sie Sonnenschirm, Liegestuhl und einem viel zu grossen Bikini findet. In einem Krater entdeckt sie eine Telefonzelle, von der aus sie niemanden anrufen kann. Dafür wird sie angerufen: Die Nummer gehört zum Amt für irdische Traumangelegenheiten, dessen Leiterin sie plötzlich wird. Mit Hilfe eines Apfelwurms, der das Glück erfunden hat, und eines Mondleuchtkäfers, der Weisheiten aus Mondstaub webt, hilft sie Menschen, ihre Albträume zu überwinden während sie selbst versucht, ihr gebrochenes Herz zu heilen. Die warmherzige Novelle verbindet Humor und Melancholie mit philosophischen Gedanken über Zeit, Einsamkeit und die Suche nach Sinn.
Ein Traum aus Kindertagen
Die Idee, ein Buch zu schreiben, begleitet Vaplan schon lange. «Geträumt habe ich davon schon in meiner Kindheit», erzählt sie. Erste literarische Erfahrungen sammelte sie bereits 2016 mit dem zweisprachigen Lyrikband E las culurs dal pleds. Die Idee zu «Nektarmond 37» kam jedoch überraschend. Nach der Tour ihrer Popcorn-Opera fand sie schliesslich Zeit, die Geschichte fertig zu schreiben. Insgesamt habe sie rund vier bis fünf Monate intensiv daran gearbeitet. Der kreative Prozess unterscheide sich für sie kaum vom Komponieren eines Songs. «Am Anfang trage ich einen Hauch einer Vision im Herzen», beschreibt sie. «Dann stehe ich vor einem leeren Blatt, schliesse die Augen und vertraue dem Prozess. Danach muss ich sortieren. Manchmal fühle ich mich wie eine Detektivin, die einer Spur folgt – bis plötzlich alles Sinn ergibt.»
Mehr als ein Konzert
Parallel zur Novelle entsteht auch ein neues Bühnenprogramm. Die Show erzählt die Geschichte nicht einfach nach, sondern übersetzt ihre Themen musikalisch und visuell. Unter der Regie des Basler Musiktheaterregisseurs Jonas Darvas entstand ein Konzertprogramm, in dem Textpassagen aus der Novelle mit neuen Kompositionen verschmelzen. Die vier Musikerinnen bewegen sich musikalisch zwischen Pop, Jazz, Neuer Musik und Punk. Für das visuelle Konzept sorgt erneut Kevin Graber, der bereits die Bildwelten der Popcorn-Opera gestaltet hat. Videoprojektionen erschaffen eine mondähnliche Landschaft aus Kratern und Schatten – eine farblich reduzierte Welt mit wenigen leuchtenden Akzenten.
Eine Vision erschaffen
Dass ihre Projekte immer mehrere Disziplinen verbinden, ist für Vaplan kein Zufall. «Das ich multimedial unterwegs bin, ist nicht, weil ein einfacher Song mir nicht mehr reichen würde. Nach einer ausgedehnten Tour im 2019 habe ich gemerkt, dass mich das in der Form nicht mehr richtig befriedigte. Die Wertschätzung gegenüber der Musik, den Musiker:innen und überhaupt der Kunst und Kultur wird immer geringer. Das war auch immer deutlicher an den Konzerten spürbar.Also habe ich 2020 beschlossen, mich zurückzuziehen und eine Vision zu erschaffen, die mich so stark inspiriert, dass ich genügend Energie und Freudehabe, weiterzumachen. Daraus ist dann als erstes die Popcorn-Opera entstanden, welches schweizweit das Publikum begeisterte. Mir gefällt es, das Publikum auf eine Reise mitzunehmen, tiefer in eine neue Welt einzutauchen, sich mit allen Sinnen berühren zu lassen. Bei der Popcorn-Opera haben wir sogar mit Gerüchen gearbeitet. Es ist zudem spannend mit einem grossen Team zu arbeiten. Am meisten fasziniert es mich, wie aus einer Idee, einem Hauch Inspiration – eine ganz neue Welt entstehen kann.»
Die Arbeit in verschiedenen Ausdrucksformen sei für sie essenziell. «Ich bin erfüllter, wenn ich mich in verschiedenen Disziplinen ausdrücken kann», sagt sie. «Aber wenn wir ganz ehrlich sind, als Kulturschaffende besteht meine Arbeit leider zum grössten Teil aus Organisation und Fundraising.»
Weitere Bücher geplant
«Nektarmond 37» könnte der Auftakt für weitere literarische Projekte sein. Für nächstes Jahr ist bereits ein Buch über ihre beiden Ochsen Roccobello und Leon geplant. Und auch ein weiteres Romanprojekt wartet noch auf seine Vollendung. «Irgendwann möchte ich auch den Roman Baby, kauf mir eine Autowaschanlage! fertig schreiben», sagt Vaplan und lacht. Mit «Nektarmond 37» öffnet sie nun zunächst ein Tor zu einer poetischen Mondwelt und lädt ihr Publikum ein, gemeinsam mit ihr abzuheben.
Termine & Links
Veröffentlichung der Novelle:
9. März bei Zytglogge Verlag
Uraufführung Bühnenprogramm:
14. März, Postremise Chur
Alle Tourdaten unter bibivaplan.ch
EP-Release:
9. Oktober mit Releaseparty im
Burgbachkeller, Zug
Text/Foto: Christian Imhof / zVg



