«Einen Reiseboom lösen meine Bücher sicher nicht aus»
- vor 14 Stunden
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«Tod in Cufercal» heisst der neue Roman von Rita Juon aus Masein. Es ist bereits ihr fünfter publizierter Krimi. Wie lange sie an dem Stoff gearbeitet hat, wie viel Humor ins Schreiben geflossen ist und vieles mehr lesen Sie hier im Interview mit der Autorin.
Wie lange trägst du schon die Idee mit dir rum, mal ein Buch über «Pignia Bogn», das tödliche Bündner Bad zu schreiben?
Den Anstoss dazu gab wohl das Sachbuch von Karin Fuchs: «Baden und trinken in den Bergen – Heilquellen in Graubünden 16.-19. Jahrhundert», das 2019 erschienen ist und zu dem ich einen Vortrag der Autorin besuchte. Darin gibt es eine Karte aus dem 19. Jahrhundert, wo auf der Alp Danis, 1950m über Meer, eine eingegangene Badeanstalt verzeichnet ist. Ein Badehaus im Alpgebiet! Das fand ich faszinierend, ich begann zu recherchieren, was zum alten Bad in Pignia Bogn führte – und schliesslich zu einem Kriminalroman. Diesen musste ich mit handelnden Personen bevölkern, und eine davon ist der Hüttenwart von Cufercal, das ist die SAC-Hütte in diesem Gebiet.
Wie lange hast du effektiv daran gearbeitet?
Da ich nicht besonders diszipliniert arbeite, ist das schwierig zu sagen … Das erste Wort habe ich wohl etwa im Sommer 2024 geschrieben. Wie schwierig ist es nach so einer langen Zeit und intensiver Überarbeitung nicht das Interesse am Stoff zu verlieren?
Gar nicht. Die Handlungsorte fesseln mich immer noch, und die Figuren, die ich zum Leben erwecke, wachsen mir ans Herz, die kann ich nicht einfach so loslassen. Wie gruslig ist es wirklich in dem von dir beschriebenen Bad?
Im Bündner Monatsblatt stand 1953, unterirdische Keller seien im 19. Jahrhundert aus Angst vor Gespenstern zugeschüttet worden, der damalige Besitzer habe Schreckliches erlebt. Ich durfte das Gebäude mit dem aktuellen Eigentümer besichtigen – Geister trafen wir dabei keine an. Die fünfhundert Jahre alte Liegenschaft ist jedoch überaus eindrücklich, sie wurde oft verändert und umgenutzt, zeigt aber heute noch Spuren der Gäste, die vor Jahrhunderten dort logierten. In der riesigen Küche sah ich vor meinem geistigen Auge zwanzig, dreissig Angestellte hantieren, im Gewölberaum stellte ich mir die Kurgäste beim Trinken des Heilwassers vor, in der getäferten Stube beim Gespräch … Wie reagiert der Tourismus auf deine Bücher?
Einen Reiseboom lösen meine Bücher sicher nicht aus. Doch es gibt immer Touristen, die als Ferienlektüre einen Roman aussuchen, der in der Gegend spielt. Wenn eine meiner Geschichten dann zu den guten Erinnerungen gehört, die sie nach Hause mitnehmen, freut mich das.
Bei deinen Büchern spielt der schwarze Humor immer auch eine gewisse Rolle. Wie hoch ist die Pointendichte in deinem neuen Werk?
So dicht wie im täglichen Leben, würde ich sagen. Die Figuren im Roman denken nach und unterhalten sich, ihre Gedanken und Gespräche sind manchmal ironisch oder heiter, bissig oder locker.
Allerdings ist der Roman ein Krimi, es gibt eine Leiche und dementsprechend Abgründe in den Charakteren und belastende Ereignisse. Diese schildere ich durchaus ernst, ich nehme das Geschehen nicht auf die leichte Schulter, sondern vertiefe mich in die Sorgen der Figuren und in ihre Reaktion auf die Vorgänge.
Wie oft musstest du beim Schreiben selber lachen?
Eher schmunzeln als lachen, das schon ein paarmal.
Gibt es in deiner Region überhaupt noch einzigartige Plätze, die du noch nicht bespielt hast?
Dutzende. Hunderte! Sind weitere Geschichten in Planung oder geniesst du jetzt mal das aktuelle Buch?
Beides. Die Fertigstellung war zuletzt sehr anstrengend, sodass ich ein wenig die Nase voll hatte und mich auf eine Pause freute. Sie dauerte zwei Tage, dann hatte ich eine Idee … Text/Foto: Christian Imhof / zVg



